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Wenn die Bewältigung des Alltags ohne professionelle Unterstützung kaum noch möglich ist und der Pflegeaufwand sowohl tagsüber als auch nachts massiv ansteigt, sind die Voraussetzungen für den Pflegegrad 3 oft erfüllt. Ab dieser Stufe stocken die Pflegekassen die finanziellen Hilfen spürbar auf. Erfahren Sie hier genau, welche Kriterien der Medizinische Dienst anlegt, wie hoch das Pflegegeld ausfällt und wie Sie die Budgets optimal kombinieren.
Inhaltsverzeichnis: Schnell zu Ihren Antworten

Anfrage
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1. Pflegegrad 3 im Überblick

Der Pflegegrad 3 wird bescheinigt, wenn eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ vorliegt. Betroffene sind in ihrem Alltag meist auf permanente Hilfe angewiesen. Typische Krankheitsbilder in dieser Stufe sind fortgeschrittene Krebserkrankungen, schwere Lähmungserscheinungen (z. B. nach einem schweren Schlaganfall), fortgeschrittene Demenz mit starkem Orientierungsverlust oder der Verlust der Mobilität (Rollstuhl- oder Bettlägerigkeit). Die Pflege lastet nun meist auf mehreren Schultern – oft aufgeteilt zwischen Angehörigen und ambulanten Pflegediensten.

2. Definition: Was bedeutet Pflegegrad 3?

Die Einstufung erfolgt auch hier über das Punktesystem des Medizinischen Dienstes (MD) im Rahmen einer häuslichen Begutachtung. Der Gutachter bewertet die Selbstständigkeit in den sechs gesetzlichen Modulen (u.a. Mobilität, Selbstversorgung und Kognition).

Für den Pflegegrad 3 muss im Gutachten eine Gesamtpunktzahl zwischen 47,5 und unter 70 Punkten ermittelt werden.

Hinweis: Liegt eine Demenz vor, reichen oft schon mittelschwere körperliche Einschränkungen aus, um in Kombination mit den geistigen Einbußen die Grenze von 47,5 Punkten zu überspringen.

3. Voraussetzungen für den Pflegegrad 3

Um die notwendige Punktzahl für Pflegegrad 3 zu erreichen, liegen im Alltag meist weitreichende Einschränkungen vor:

  • Motorische Einschränkungen: Der Betroffene kann nicht mehr ohne fremde Hilfe aufstehen, das Bett verlassen oder die Toilette aufsuchen.

  • Erhöhter Hilfsbedarf bei der Grundpflege: Unterstützung ist mehrmals täglich beim Waschen, Duschen, An- und Auskleiden sowie bei der mundgerechten Zubereitung oder Gabe von Nahrung nötig.

  • Psychische/Kognitive Hürden: Bei Demenzpatienten zeigt sich oft eine ausgeprägte Unruhe, Aggression, ein gestörter Tag-Nacht-Rhythmus oder das Risiko des Weglaufens (Herausforderndes Verhalten).

4. Pflegegrad 3: Leistungen im Überblick

Mit dem Sprung auf Pflegegrad 3 steigen die Budgets für Pflegegeld und Pflegesachleistungen signifikant an, um dem höheren Betreuungsaufwand gerecht zu werden.

Hier ist die Übersicht aller Ansprüche bei Pflegegrad 3:

Leistung / Zuschuss Betrag / Budget Verwendungszweck & Besonderheiten
Pflegegeld 573 € / Monat Wird direkt überwiesen, wenn Angehörige oder ehrenamtliche Helfer die Pflege zu Hause selbst organisieren.
Pflegesachleistungen 1.432 € / Monat Budget für professionelle ambulante Pflegedienste (z. B. für die tägliche Grundpflege und medizinische Versorgung).
Entlastungsbetrag 125 € / Monat Steht zusätzlich zu! Perfekt für die Aufstockung durch Alltagsbegleiter, Einkaufshilfen oder Demenzbetreuung.
Verhinderungspflege 1.612 € / Jahr Budget für die Ersatzpflege bei Urlaub/Krankheit der Hauptpflegeperson (z.B. stundenweise Alltagshilfe).
Kurzzeitpflege 1.774 € / Jahr Für stationäre Übergangspflege (z. B. nach einem Krankenhausaufenthalt).
Pflegehilfsmittel 40 € / Monat Pauschale für Verbrauchsmaterialien (Desinfektion, Bettschutz, Handschuhe).
Wohnumfeldverbesserung bis zu 4.000 € Zuschuss für barrierefreie Umbauten (z. B. Einbau eines Treppenlifts oder Bad-Sanierung).

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35,0 Punkte
Erhebliche Beeinträchtigung
Pflegegrad 2
Monatliche Ansprüche
Pflegegeld (bei Pflege durch Angehörige) 332 €
Pflegesachleistungen (für ambulante Pflegedienste) 761 €
Entlastungsbetrag (z.B. für Alltagshilfe & Reinigung) 125 €
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (Masken, Einlagen etc.) 40 €
Hausnotruf-System (Zuschuss) 25,50 €
Einmalige & Jährliche Zuschüsse
Verhinderungspflege (Urlaubsvertretung pro Jahr) 1.612 €
Kurzzeitpflege (Heimaufenthalt auf Zeit pro Jahr) 1.774 €
Wohnumfeldverbesserung (Zuschuss für Badumbau/Lift) bis zu 4.000 €
Hinweis: Alle Angaben sind gesetzliche Richtwerte. Pflegegeld und Pflegesachleistungen können im Zuge einer Kombinationspflege miteinander verrechnet werden.

5. Fallbeispiel aus der Praxis: Pflegegrad 3 bei schwerer körperlicher Einschränkung

Betrachten wir das Beispiel von Gerhard (84 Jahre):

Gerhard erlitt vor einigen Monaten einen schweren Schlaganfall. Seine linke Körperhälfte ist dauerhaft gelähmt. Er sitzt im Rollstuhl und kann sich im Bett nicht mehr alleine aufrichten oder drehen. Seine Ehefrau Erna (81) ist körperlich nicht in der Lage, ihn zu heben. Die Berufstätige Tochter Christiane (51) unterstützt, wo sie kann.

Die Lösung mit Pflegegrad 3 (58 Punkte wurden festgestellt): Die Familie nutzt die Kombinationspflege. Ein ambulanter Pflegedienst kommt nun zweimal täglich (morgens und abends), um Gerhard zu mobilisieren, zu waschen und anzukleiden. Die Kosten belaufen sich auf ca. 1.150 Euro im Monat. Da das Sachleistungsbudget von 1.432 Euro damit zu etwa 80 % ausgeschöpft ist, überweist die Kasse der Familie noch ein anteiliges Pflegegeld von ca. 114 Euro (20 % von 573 Euro).

Zusätzliche Entlastung: Um Erna tagsüber zu entlasten, wird über den 125 Euro Entlastungsbetrag eine nach Landesrecht anerkannte Alltagshilfe engagiert, die einmal pro Woche mit Gerhard spazieren geht und Gesellschaft leistet.

Die häufigsten Fragen im Überblick

Die wichtigsten Fragen & Antworten zum Thema, die häufig von unseren Nutzern gestellt werden.

Kann ich bei Pflegegrad 3 eine osteuropäische 24h-Pflegekraft finanzieren?

Ja, das wird in der Praxis sehr häufig so gemacht. Die Kosten für eine sogenannte „24-Stunden-Pflegekraft“ (ca. 2.500 bis 3.500 Euro im Monat) müssen zwar größtenteils privat getragen werden, Sie können jedoch das Pflegegeld in Höhe von 573 Euro komplett dafür einsetzen. Zusätzlich lassen sich die jährlichen Budgets für Verhinderungspflege (1.612 Euro) und Kurzzeitpflege (umgewandelt bis zu 806 Euro) nutzen, um die monatlichen Kosten zeitweise zu senken.

Wie hoch ist das Budget, wenn Tages- oder Nachtpflege genutzt wird?

Bei Pflegegrad 3 steht Ihnen für die Teilstationäre Tages- oder Nachtpflege ein separates Budget von 1.432 Euro im Monat zur Verfügung. Das Geniale daran: Seit dem Pflegestärkungsgesetz wird dieses Budget nicht mit dem Pflegegeld oder den ambulanten Pflegesachleistungen verrechnet. Sie können also den Pflegedienst nutzen ODER Pflegegeld beziehen UND Ihren Angehörigen zusätzlich tageweise in eine Tagespflegeeinrichtung geben.

Mein Angehöriger hat Pflegegrad 2. Wie beantrage ich die Höherstufung auf Pflegegrad 3?

Wenn der Pflegebedarf gestiegen ist, stellen Sie bei der zuständigen Pflegekasse einen formlosen „Antrag auf Höherstufung“. Das funktioniert per Brief oder E-Mail. Nutzen Sie eine Formulierung wie: „Aufgrund einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes beantrage ich die Überprüfung und Höherstufung des Pflegegrades.“ Es folgt eine erneute Begutachtung durch den Medizinischen Dienst zu Hause.

Zahlt die Kasse den Badumbau bei Pflegegrad 3 noch einmal, wenn wir schon bei Pflegegrad 1 einen Zuschuss erhalten haben?

Der Zuschuss von bis zu 4.000 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen gilt pro Maßnahme. Haben Sie bei Pflegegrad 1 beispielsweise einen Zuschuss für einen Treppenlift erhalten, und nun ist bei Pflegegrad 3 ein kompletter Umbau der Badewanne zur bodengleichen Dusche nötig, weil sich die Pflegesituation maßgeblich verändert hat, kann die Pflegekasse die 4.000 Euro erneut bewilligen.

Welche Steuererleichterungen gibt es bei Pflegegrad 3?

Neben dem Absetzen von haushaltsnahen Dienstleistungen steht dem Pflegebedürftigen (oder der Pflegeperson bei unentgeltlicher Pflege) ab Pflegegrad 3 ein erhöhter Pflege-Pauschbetrag bei der Einkommensteuererklärung zu. Dieser liegt bei 1.100 Euro pro Kalenderjahr und kann ohne Einzelnachweise in der Steuererklärung geltend gemacht werden, um die steuerliche Belastung zu reduzieren.